Selbstverteidigung nach der angewandten «Skema-Methode»

Das Kung Fu-Training (zur Befähigung der eigenen Selbstverteidigung) beginnt mit spezifischen Körper- und Atemübungen, um den einseitigen Berufs- und Alltagsbelastungen entgegen zu wirken. Im Alltag mangelt es uns zusätzlich an Gelenksbewegungen über den vollen Bewegungsumfang, welche unsere körperliche Mobilität zunehmend einschränkt. Zudem werden durch Atem- und Muskelentspannungstechniken die Selbstwahrnehmung optimiert und Stress abgebaut.

Ein technischer Kräftigungsteil regt den Herzkreislauf an und stärkt die tiefliegende Haltemuskulatur. Zugleich werden gezielt jene Muskeln entwickelt, welche den Alltag erleichtern und zur effektiven Selbstverteidigung notwendig sind.

Die Basis der Selbstverteidigung nach der Skema-Methode bilden die drei Formen aus dem Wing Chun System. Nach dem „mechanischen“ Erlernen der Techniken und der Körperstatik wird das Empfinden für die biomechanischen Abläufe im Körper eingestellt und die blitzschnellen sensomotorischen Reflexe, welche direkt über das Rückenmark beantwortet werden, geschult. So wie sich das Hören und Riechen eines blinden Menschen um ein x-faches verfeinern kann, entwickelt der Kung Fu-Praktizierende eine ausgeprägte Sensorik im ganzen Körper. Jedes Körperteil kann im Kampf eingesetzt werden, wenn dazu ein Gefühl und eine Kontrolle entwickelt wurde.

So wie die Balance beim Fahrradfahren stellt sich durch das intensive Partnertraining ein Gefühl für einen Angriff ein. Entgegen dem abgestuftem Körper des Kampfsportlers reagiert man im Kung Fu auf Druck- und Zugkräfte mittels einer geschärften Sensorik. Somit ist es das gegenteilige von blinder Gewalt. Es braucht viel mehr einen Körper, der mit seiner Umwelt in Beziehung steht, da die Gefahr auf der Strasse unmittelbar erfühlt werden muss, während im Ring klare und faire Bedingungen wie Geschlecht, Alter, Regeln etc. gelten. Eine «Massen-Keilerei» bedingt eine gänzlich andere Wahrnehmung. Solche Situationen werden praktisch geschult. Mit zunehmendem Training wird die Wahrnehmung seines Selbst und der Umwelt verfeinert.

Die SKEMA Kampfkunstakademie verfolgt das Prinzip der stetigen Wandlung. So mussten sich früher Menschen unteranderem gegen wilde Tiere verteidigen. Dies ist in der modernen Zivilisation zum Glück nicht mehr der Fall. Heutzutage ist der Mensch mit Stress und psychischen Ängsten konfrontiert. Da ein Kampfkünstler aus der Not durch die Konfrontation im Kampf um Leben und Tot gelernt hat mit Angst und Stress umzugehen, hat er Wege und Systeme zum Umgang mit diesen Symptomen entwickelt, welche sich auf die heutigen Herausforderungen im Alltag übertragen lassen – Kampfkunst im täglichen Leben!

Text von Marcel Haas 11.09.2020 (dipl. Skema-Instruktor und Schulleiter Skema-Kampfkunstschule St. Gallen Ost, med. Masseur mit eidg. FA, dipl. Kieser Instruktor SAFS).